Daniel Mietasch (PurSource) im Interview: Sichtbarkeit, Struktur, Transparenz
Daniel Mietasch, Gründer und Geschäftsführer von PurSource, spricht beim Synaworks Partnertag 2026 über Sichtbarkeit, Struktur und Transparenz im IT-Beratungsmarkt. Fast zwei Jahrzehnte war er selbst Teil des Systems, das er heute verändern will: Als Account Executive und Head of Alliance Management hat er den Einkauf von mehr als 400 Millionen Euro an Beratungsleistungen verantwortet, seit 2007 ist er im IT-Projektmarkt unterwegs, heute ist er BME-Mitglied. 2025 gründete er PurSource, eine provisionsfreie Plattform, die IT-Entscheider und spezialisierte Beratungsanbieter direkt zusammenbringt, DSGVO-konform und ohne Vermittler. Sein Ausgangspunkt für den Vortrag: 88 Prozent des deutschen IT-Beratungsmarkts liegen bei den Top 25, mittelständische Beratungshäuser verlieren zunehmend den Marktzugang. Im Interview erzählt er, warum er PurSource gegründet hat und was PurSource von klassischen Vermittlungswegen im IT-Beratungsmarkt unterscheidet.
Synaworks: Auf eurer Seite steht: „Fast zwei Jahrzehnte lang war ich selbst Teil des Systems, das ich heute verändere.“ Was war der konkrete Moment, an dem aus dieser Frustration eine Gründungsidee wurde?
Daniel Mietasch: Die letzte Ausschreibung, die ich bearbeitet habe, war ein Extrem. Die Anforderungen waren so hoch und umfangreich, dass selbst die größten Player am Markt nur durch Eignungsleihe mit anderen großen Playern die Mindestkriterien erfüllen konnten. Die Bearbeitungsdauer mehr als ein Jahr, mit einem siebenstelligen Invest an Ressourcen bei offenem Ausgang. Das Ergebnis absehbar: hoher operativer Aufwand auf allen Seiten und lange Nachunternehmerketten, da ohne Rahmenvertrag kein Weg zum Kunden führt.
Zur Einordnung: Die Eignungsleihe, die Mietasch hier beschreibt, ist ein fester Bestandteil des deutschen Vergaberechts (§ 47 VgV): Ein Bieter darf sich auf Umsatz, Referenzen, Zertifizierungen oder Personal eines anderen Unternehmens stützen, um die formalen Eignungskriterien einer Ausschreibung zu erfüllen. Ursprünglich gedacht, um auch kleineren Anbietern über Partnerschaften Zugang zu großen Aufträgen zu verschaffen, führt sie bei sehr hohen Anforderungsschwellen in der Praxis oft dazu, dass nur noch große, bereits gut vernetzte Anbieter überhaupt mitbieten können, während der Aufwand für Auftraggeber wie Bieter durch lange Nachunternehmerketten zusätzlich steigt.1
In gewisser Weise möchte ich der beschleunigten Konsolidierung des Marktes entgegenwirken. Daher habe ich eine Infrastruktur geschaffen, mit welcher Endkunden direkten Zugriff auf den Anbietermarkt erhalten, ohne höheren Aufwand. Mit PurSource können Kunden schneller eine bessere Entscheidung treffen und Kosten sparen.
Daniel Mietasch
Synaworks: Du kommst selbst aus 11 Jahren Account Executive und 4 Jahren Head of Alliance Management, also aus dem Vertrieb von Beratungsleistungen. PurSource schließt Vermittler und Personaldienstleister explizit von der Plattform aus. Was hast du in deiner eigenen Rolle gesehen, das dich zu dieser Entscheidung gebracht hat?
Daniel Mietasch: Ja, in meinen 20 Jahren am Markt habe ich Konstellationen gesehen, die ich nicht unterstütze. Dazu gehören lange Subunternehmerketten, Mindestmargen von über 30 Prozent bei Vermittlern oder extreme Margen von 200 Prozent auf den Stundensatz.
Die Vorteile der PurSource-Infrastruktur erkennen Vermittler sehr schnell und würden diese für ihr Geschäftsmodell nutzen. Ich möchte Kunden wie Beratungsanbietern jedoch bewusst eine Alternative bieten, die frei von dauerhaften Provisionen und Kundenschutzklauseln ist.
Synaworks: Was unterscheidet PurSource aus deiner Sicht am meisten von einer klassischen Ausschreibungsplattform oder einem Berater-Marktplatz?
Daniel Mietasch: Klassische Ausschreibungsplattformen und Marktplätze können dem Kunden null oder auch 50 Angebote bringen, welche er dann beantworten muss.
Bei PurSource hat der Bedarfsträger die volle Kontrolle darüber, wer seine Anfrage sieht und bearbeiten darf. Basierend auf den definierten Anforderungen erhält der Kundennutzer passende Anbieter mit strukturierten und transparenten Daten. Er erstellt die Shortlist, hat den direkten Vergleich und wählt die Anbieter aus, die er kontaktieren will.
Der häufigste Sichtbarkeitsfehler im Mittelstand
Synaworks: Was ist der häufigste Fehler, den mittelständische Beratungshäuser bei ihrer eigenen Sichtbarkeit machen?
Daniel Mietasch: Sie setzen auf zu wenige und eher klassische Vertriebskanäle, die die Dominanz der großen Player meist verstärken. In diesen können sie mit den großen Playern kaum mithalten, da diese viel mehr Ressourcen haben. Stattdessen sollten sie das Spielfeld verändern und die Sales Strategie durch mehrere effiziente Bausteine erweitern. Dabei würde ich die Leadqualität immer vor die Quantität stellen.
Synaworks: Wenn ein Teilnehmer nur einen Satz aus deinem Vortrag mitnimmt, welcher sollte das sein?
Daniel Mietasch: Transparenz ist die Voraussetzung für effektive Dienstleisterauswahl und faire Konditionen.
Synaworks: Wie stellt ihr sicher, dass die vorgeschlagenen Anbieter wirklich passen?
Daniel Mietasch: Durch Struktur statt Meinung. Anbieter hinterlegen detaillierte Profile mit Leistungsschwerpunkten, Technologien, Methodenkompetenzen, Zertifizierungen und Referenzen. Die Bedarfsträger definieren auf der anderen Seite ihre Anforderungen und ihre Filterkriterien. Die Übereinstimmung der Anbieterprofile mit den Kundenkriterien bestimmt für jede Anfrage die Trefferanzahl und die Reihenfolge der Anbieter.
Wichtig ist mir dabei: Wir treffen keine Entscheidung für den Kunden. Wir schaffen die Grundlage, damit er die beste Entscheidung für sich selbst treffen kann. Und falls die Plattform einmal keine passenden Ergebnisse liefert, erhält der Kunde mit unserer Shortlist-Garantie professionelle Recherche-Unterstützung kostenlos.

Daniel Mietasch spricht beim Synaworks Partnertag 2026 am 22. September in den Design Offices Heidelberg. Sie interessieren sich für den Partnertag? Melden Sie sich bei uns.
Quellen
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Vergabepilot: Eignungsleihe: Bedeutung für öffentliche Ausschreibungen; Tendit: Eignungsleihe bei IT-Ausschreibungen erklärt, § 47 VgV ↩

