Application Lifecycle Management in SAP S/4HANA-Projekten: Warum ALM schon vor dem Go-live beginnen muss
Viele S/4HANA-Projekte starten technisch sauber aber laufen organisatorisch in Komplexität.
Der Grund ist selten fehlende Software.
Der Grund ist meist fehlende Integration zwischen Prozessen, Tools und Verantwortlichkeiten.
Gerade bei Greenfield-Ansätzen bleibt oft kein Stein auf dem anderen. Prozesse werden neu gedacht, Systemlandschaften neu aufgebaut und Rollen neu verteilt. Wer in so einer Situation Test Management, Change Management und Governance nur projektbezogen betrachtet, schafft oft genau das, was später teuer wird: Brüche zwischen Einführung und Betrieb.
Ein globaler deutscher Spezialchemie-Konzern ist diesen Weg bewusst anders gegangen. Gemeinsam mit Synaworks wurde Application Lifecycle Management nicht als Nebenthema behandelt, sondern als tragende Struktur für Projekt und Produktivbetrieb aufgebaut. Von der SAP S/4HANA-Einführung bis in den laufenden Betrieb.
Ausgangssituation: S/4HANA Greenfield bedeutet nicht nur neue Prozesse, sondern neue Risiken
Rund 9.000 SAP-User zählt der global aufgestellte Spezialchemie-Konzern, den Synaworks im Zuge seiner S/4HANA-Transformation beim Test Management beraten hat. Der Greenfield-Ansatz hatte ein klares Ziel: Geschäftsprozesse mit SAP künftig effizienter gestalten. Dafür wurden im Vorfeld sämtliche Business-Prozesse überprüft und in S/4HANA neu angelegt.
Genau darin liegt aber auch das Risiko.
Denn überall dort, wo Prozesse neu gestaltet werden, entstehen neue Abhängigkeiten, neue Fehlerquellen und neue Anforderungen an Test, Steuerung und Zusammenarbeit. Oder, wie es in der Success Story treffend beschrieben wird: Jede Änderung eines Systems birgt Risiken. Sind sie schlecht umgesetzt, entstehen Fehler oder unerwünschte Anpassungen. Genau hier setzt ALM an.
Warum ALM in S/4HANA-Projekten oft zu spät gedacht wird
In vielen Unternehmen wird Application Lifecycle Management noch immer als nachgelagerte Disziplin verstanden. Erst kommt das Projekt. Dann der Rollout. Und irgendwann später kümmert man sich um Betrieb, Governance, Change und Release.
Das ist ein Denkfehler.
Gerade in hybriden Systemlandschaften mit ECC, S/4HANA, Cloud-Modellen und angebundenen Drittsystemen steigt die Komplexität massiv. Wer ALM erst nach dem Go-live aufsetzt, versucht später mühsam zu ordnen, was von Anfang an strukturiert hätte aufgebaut werden müssen.
Der Chemiekonzern hatte seine ALM-Prozesse bereits seit Langem im SAP Solution Manager abgebildet. Mit der bisherigen Version war jedoch kein konsistentes ALM über alle SAP-Stränge hinweg möglich. Unterschiedliche Vorgangsarten und isolierte Tests verhinderten eine durchgängige Steuerung. Im Zuge des S/4HANA-Projekts wurde deshalb ein Upgrade auf SAP Solution Manager 7.2 durchgeführt. Damit entstand die Basis für eine moderne ALM-Plattform mit einheitlichen Vorgangsarten, integrierten Testphasen über Systemgrenzen hinweg und synchronisierten Release-Zeitpunkten für alle angebundenen SAP-Systeme.

Zielbild vor Aktion: ALM als integriertes Konzept auf drei Ebenen
Der entscheidende Punkt an dieser Story ist nicht das Upgrade selbst.
Der eigentliche Hebel war das zugrunde liegende ALM-Verständnis.
Denn ein wirksames ALM-Konzept entsteht nicht über Tools allein. Es entsteht über das Zusammenspiel von drei Ebenen:
1. Prozessuale Dimension
Wie sind neue IT-Prozesse definiert? Wie greifen sie ineinander? Und wie lassen sie sich technologisch abbilden?
2. Technologische Dimension
Welche Funktionalitäten gehören in den Solution Manager? Welche in andere Tools wie Jira oder ServiceNow?
3. Organisatorische Dimension
Welche Auswirkungen haben neue IT-Prozesse auf die Organisation? Welche Rollen und Verantwortlichkeiten müssen geschaffen oder geschärft werden, zum Beispiel für Release Management oder Test Management?
Genau hier zeigt sich der Synaworks-Ansatz sehr deutlich. Nicht Tools stehen im Vordergrund, sondern das Design integrierter IT-Prozesse. Oder, wie Daniel Kohl es in der Success Story formuliert:
Daniel Kohl
Phase 1: Test Management innerhalb der SAP S/4HANA-Einführung
Zu Beginn des Projekts wurde die in Jira und Confluence angelegte IT- und Umsetzungsdokumentation zunächst in den Solution Manager überführt. Parallel entwickelte Synaworks ein Konzept für Integrations- und User-Acceptance-Tests und richtete mit der Test-Suite-Erweiterung Focused Build die dafür benötigten Werkzeuge im Solution Manager ein.
Gemeinsam mit dem Projektteam beim Kunden entstand außerdem eine Entscheidungsvorlage für die zukünftige SAP-Systemlandschaft. Im Rahmen des Test Managements begleitete Synaworks die Erstellung und Durchführung von 1.600 Testfällen. Gleichzeitig wurde für die parallel gestarteten Entwicklungen des nächsten SAP-Rollouts die Focused-Build-Lösung implementiert, die nun auch den Requirement-to-Deploy-Prozess umfasst.
Ein besonders wichtiger Hebel lag dabei nicht nur in den Tools, sondern in der Akzeptanz. ALM-Roadshows und rollenbasierte Trainings sorgten über das gesamte S/4-Projekt hinweg dafür, dass Veränderungen nicht nur technisch eingeführt, sondern auch organisatorisch verstanden und angenommen wurden. Genau das stärkt die User-Akzeptanz und reduziert spätere Reibung im Betrieb. Die Success Story hebt diese frühe Stakeholder-Einbindung ausdrücklich als Erfolgsfaktor hervor.
Phase 2: Ready-for-Operations: ALM endet nicht mit dem Rollout
Viele Projekte verlieren nach dem ersten Rollout an Struktur. Beim Chemiekonzern war das anders.
Parallel zum ersten S/4HANA-Rollout wurde der Solution Manager als zentrale ALM-Plattform live gesetzt. Jeder SAP-relevante Change wurde per Schnittstelle aus dem zentralen ITSM-Tool ServiceNow in den Change- und Release-Management-Prozess des Solution Managers überführt.
Das klingt unspektakulär, ist aber strategisch entscheidend.
Denn genau dadurch entstand eine Brücke zwischen Projekt und Betrieb. Der Kunde war in der Lage, den Rollout auch im laufenden Betrieb strukturiert zu betreuen und weiterzuentwickeln. Erste KPIs wurden definiert, um Governance messbar zu machen und sichtbar zu machen, wie gut die neuen IT-Prozesse im Alltag tatsächlich gelebt werden. Gleichzeitig wurde der organisatorische Veränderungsprozess weiter begleitet, um neue Rollen und Verantwortlichkeiten langfristig zu etablieren.
Das ist der Unterschied zwischen einer Projektlösung und einer tragfähigen Struktur.
Ergebnis: Mehr Transparenz, mehr Planbarkeit, mehr Anschlussfähigkeit
Durch den standardisierten Change- und Release-Prozess konnten Transparenz und Planbarkeit für alle involvierten Rollen deutlich erhöht werden. Gleichzeitig entstand eine engere Zusammenarbeit mit den Fachbereichen. Genau das ist ein oft unterschätzter Effekt von gut aufgesetztem ALM: Es verbessert nicht nur Steuerung und Qualität, sondern auch die Positionierung der internen SAP-IT im Unternehmen. Mehrere konkrete Ergebnisse konnten erreicht werden:
- integriertes und ganzheitliches Testmanagement für Projekt- und Betriebsphase
- ein durchgängiger Testprozess von Planung über Testfallerstellung bis Reporting
- SAP Solution Manager als zentrale, integrative ALM-Plattform
- hohe User-Akzeptanz durch Roadshows und rollenbasierte Schulungen
- verlässlicher Überblick über Teststatus und Testfortschritt
- bessere Rückverfolgbarkeit von Fehlermeldungen durch das Test Suite Dashboard im SAP Solution Manager
Was dadurch künftig möglich wird
Besonders spannend ist nicht nur das erreichte Ergebnis, sondern die Anschlussfähigkeit für die Zukunft.
Durch die Dokumentation im Prozess Management ist der Konzern künftig in der Lage, technische Change-Impact-Analysen durchzuführen. So lässt sich besser abschätzen, welche Auswirkungen Änderungen auf bereits produktiv genutzte Funktionalitäten haben. Gleichzeitig können strukturierte Testfälle aus der Projektphase künftig als Basis für Regressionstests genutzt, standardisiert und perspektivisch automatisiert werden.
Gerade in einer Welt, in der agile Softwareentwicklung immer häufiger wird, ist kontinuierliches Test Management kein Luxus, sondern Voraussetzung für Stabilität und Entwicklungsgeschwindigkeit.

Drei Learnings aus dem Projekt beim Chemiekonzern
1. ALM darf kein Nachgedanke sein
Wer ALM erst nach dem Rollout aufsetzt, baut Strukturen zu spät. Projekt und Betrieb müssen von Anfang an zusammengedacht werden.
2. Tools funktionieren nur mit integrierten Prozessen
Nicht der Solution Manager allein schafft Wirksamkeit. Entscheidend ist, wie Prozesse, Rollen und Werkzeuge zusammenspielen.
3. Akzeptanz entsteht nicht durch Ankündigung, sondern durch Einbindung
Roadshows, Trainings und klare Rollenbilder sind kein Beiwerk. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass neue Strukturen im Alltag tatsächlich gelebt werden.
Was andere SAP-Organisationen daraus lernen können
Wenn dein S/4HANA-Projekt heute stark auf Einführung fokussiert ist, aber Betrieb, Governance und Change-Prozesse noch nicht sauber mitgedacht sind, dann entsteht genau dort ein Risiko.
Viele Unternehmen investieren viel Energie in den Go-live — und merken erst danach, dass Test Management, Change Management und organisatorische Verankerung nicht tragfähig genug aufgebaut wurden.
Wer seine SAP-IT wirksam neu aufstellen will, braucht deshalb:
- ein ALM-Zielbild vor der Tool-Diskussion
- integrierte Prozesse über Projekt und Betrieb hinweg
- klare Rollen und Verantwortlichkeiten
- standardisierte Test- und Change-Prozesse und eine Plattform, die diese Struktur unterstützt
Genau so wird aus einem S/4HANA-Projekt nicht nur ein erfolgreicher Rollout, sondern ein tragfähiger Betriebsansatz.

Fazit: Application Lifecycle Management beginnt nicht nach dem Projekt, sondern mit ihm
Die Success Story des Chemiekonzerns zeigt sehr klar:
Ein S/4HANA-Projekt ist nicht dann erfolgreich, wenn der Go-live geschafft ist. Es ist dann erfolgreich, wenn daraus ein steuerbarer, integrierter und anschlussfähiger Betrieb entsteht.
Nicht Projekt hier und Betrieb dort.
Nicht Tool zuerst und Prozess später.
Nicht Einführung ohne organisatorische Verankerung.
Sondern:
- Zielbild vor Aktion
- integrierte IT-Prozesse
- ALM über Projekt und Betrieb hinweg
- klare Rollen und Strukturen, die im Alltag tragen
Systematisch statt aktionistisch gilt auch hier.
Denn wer S/4HANA wirklich wirksam einführen will, muss Application Lifecycle Management von Anfang an mitdenken.
Wie handlungsfähig ist deine SAP-IT heute wirklich?
Wenn du merkst, dass Projekt, Betrieb, Test Management und Change-Prozesse in deiner SAP-IT noch nicht sauber zusammenspielen, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf den Reifegrad deiner Organisation.
Mit dem Synaworks IT Performance Index bekommst du eine systematische Einschätzung, wo deine SAP-IT heute steht — und welche Hebel dir helfen, mehr Transparenz, Steuerbarkeit und Wirksamkeit aufzubauen.

