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Vom SAP-Berater zum BTP- und AI-Haus: conarum unter Stefan Bäumler

Stefan Bäumler, Geschäftsführer von conarum GmbH & Co. KG, spricht beim Synaworks Partnertag 2026 über den Wandel vom klassischen SAP-Beratungshaus zum BTP- und AI-Unternehmen mit eigener IP. Im Interview erzählt Stefan Bäumler, was diesen Wandel bei conarum ausgelöst hat, warum saubere Data Governance das Fundament jeder KI-Strategie ist und was Teilnehmer aus seinem Vortrag mitnehmen sollten.

Synaworks: conarum war klassische SAP-Beratung, jetzt seid ihr ein BTP- und AI-Haus mit eigenen Produkten. Was war der Auslöser für diesen Schritt?

Stefan Bäumler: Für mich war es schon immer eine Vision, Softwarelösungen zu bauen. Wir hatten immer wieder kleinere „Beraterlösungen“ gebaut und versucht, diese mehrfach zu verkaufen – in den Bereichen, in denen wir uns auskannten: Einkauf, Logistik und Master Data.

Der erste Game Changer kam 2018 mit der SAP Cloud Platform, dem Partner Build Programm und kostengünstigen Paketen für Entwicklung, Demo und Test für kleinere IT-Unternehmen. Auch wenn die Anfänge schwer waren, hatten wir damit eine zentrale, flexible und integrierte Plattform, auf der wir unsere Lösungen bauen konnten.

Zur Einordnung: SAP hatte Partnern über das PartnerEdge-Programm schon damals kostenlosen Zugang zur SAP Cloud Platform sowie Demo-Landschaften und einen Leistungskatalog für Weiterbildung und Vertriebsaufbau eröffnet – finanzierbar teilweise über Werbekostenzuschüsse (Market Development Fund). Für kleinere Beratungshäuser wie conarum war das der Einstieg, eigene IP zu entwickeln, statt nur Projektstunden zu verkaufen. Aus diesem Programm ist das heutige „Build“-Modell der PartnerEdge-Stufen hervorgegangen, über das Partner marktreife Lösungen einreichen und zertifizieren lassen können.1

Dann kam Ende November 2022 ChatGPT. Das hat für uns alles auf den Kopf gestellt – das Denken über Softwarelösungen, den Entwicklungsprozess, wie sich der Weg vom Requirement bis zur Benutzerdokumentation verändert, bis hin zur Generierung von Release Notes oder Webseiteninhalten.

conarum

Synaworks: Was macht conarum heute, das ihr vor fünf Jahren nicht angeboten hättet?

Stefan Bäumler: Gefühlt fast alles. Vor fünf Jahren haben wir gerade die erste Version von proconarum, unserem Supplier Management und Web-EDI, live gebracht. Heute bauen wir in alle Lösungen KI ein – ob im Einkauf, in der Document Automation, im Process Management oder in der Master Data Governance. Nach dem Motto: „Use AI, where it makes sense.“

Die klassische Beratung spielt bei conarum dabei immer weniger eine Rolle. Stattdessen geht es um eine Kombination aus SAP-S/4HANA-Beratung, SAP-BTP-Architektur und der Integration von KI-Szenarien in die Geschäftsabläufe – inklusive der Einbindung der eigenen IP von conarum in die Kundenlandschaft.

Warum SAP AI Core für Berater und Kunden relevant ist

Synaworks: Dein Vortrag heißt „Aufbruch in eine neue Welt: Transformation als Chance“ – für wen im Publikum ist er am relevantesten: für Berater, die ihr Geschäftsmodell überdenken, oder für Kunden vor einer SAP-Transformation?

Stefan Bäumler: Ich denke, für beide. Für Berater, die neue Möglichkeiten haben – gerade kleinere Beratungshäuser und Berater, die technisch wie betriebswirtschaftlich interessiert und flexibel im Denken sind, haben große Chancen, mit cleveren KI-Lösungen auf der SAP BTP zu bauen und zu skalieren.

Und für Kunden, die sich noch nicht vorstellen können, was mit KI möglich ist, wie sie diese flexibel integrieren können und warum SAP AI Core viele Vorteile bietet, ist der Vortrag von Stefan Bäumler ebenso relevant.

Zur Einordnung: SAP AI Core ist der BTP-Service, über den KI-Modelle sicher trainiert, ausgerollt und betrieben werden – ergänzt durch das AI Launchpad als zentrales Cockpit für KI-Szenarien, Modelle und Prompts über verschiedene Umgebungen hinweg. Beide Services bilden zusammen mit dem Generative AI Hub die sogenannte AI Foundation, die Zugriff auf Sprachmodelle verschiedener Anbieter bündelt und Governance-Funktionen für den produktiven Einsatz bereitstellt. Wer bereits SAP-Cloud-Produkte wie S/4HANA Cloud oder SuccessFactors nutzt, läuft über die BTP-Infrastruktur im Hintergrund ohnehin schon mit Business AI – der Unterschied liegt darin, wie gezielt Partner wie conarum diese Bausteine für eigene Lösungen nutzen.2 3

Synaworks: Was ist eine These aus deinem Vortrag, die auf dem Partnertag für Widerspruch sorgen könnte?

Stefan Bäumler: Widerspruch weiß ich nicht, aber wir sollten uns klarmachen: Die klassische, tagessatzbasierte Applikationsberatung ohne eigene IP wird es in fünf Jahren schwerer haben.

Der häufigste Fehler bei SAP Data Governance und KI

Synaworks: Was ist der häufigste Fehler, den du bei Unternehmen siehst, die SAP Data Governance und KI zusammendenken wollen?

Stefan Bäumler: „Die KI wird es schon richten!“ Wer schlechte Pflegeprozesse, keine klaren Verantwortlichkeiten oder Silodenken zwischen IT und Fachbereich hat, dem hilft auch KI nicht weiter. Das kostet nur viel Geld und bringt nichts.

Oder einfach gesagt: Saubere Governance ist nicht das Gegenteil von KI, sondern deren Fundament – wer das umdreht, bekommt schnellere, aber nicht bessere Daten. Und: Compliance nicht vergessen! Die Ergebnisse eines KI-Agenten müssen nachvollziehbar sein.

Zur Einordnung: Die Beobachtung von Stefan Bäumler deckt sich mit aktuellen Erhebungen. Laut Gartner nennen 38 Prozent der Infrastructure-&-Operations-Verantwortlichen schlechte Datenqualität oder begrenzte Datenverfügbarkeit als direkte Ursache gescheiterter KI-Projekte. Eine Cloudflight-Befragung unter 150 deutschen C-Level-Führungskräften (Januar 2026) zeigt dabei, dass das eigentliche Nadelöhr oft woanders liegt: 49 Prozent der Befragten mit bereits gestarteten KI-Use-Cases nennen fehlende Abstimmung zwischen IT, Business und Compliance als größtes Problem – noch vor der reinen Datenqualität. Genau die Silos und unklaren Verantwortlichkeiten also, die Bäumler im Interview anspricht.4 5

Ein Satz, den jeder Teilnehmer mitnehmen sollte

Synaworks: Wenn ein Teilnehmer nur einen Satz aus deinem Vortrag mitnimmt – welcher sollte das sein?

Stefan Bäumler: „Wenn du gerade eine langweilige Tätigkeit machst, die dich nervt, überlege, wie man sie mit KI lösen kann.“ Und probiere es einfach selbst aus.


Stefan Bäumler spricht beim Synaworks Partnertag 2026 am 22. September in den Design Offices Heidelberg. Sie interessieren sich für den Partnertag? Melden Sie sich bei uns.

Quellen

Footnotes

  1. SAP: SAP-Partnerprogramm und Neues Software- und Technologie-Portfolio für Partner, SAP News Center, März 2018

  2. SAP: SAP Business AI – KI in SAP BTP

  3. Computer Weekly: SAP Business AI: Funktionen und Grenzen des KI-Portfolios, Oktober 2025

  4. Computing Deutschland: Warum KI-Projekte wirklich scheitern – und was CIOs für skalierbare Enterprise AI ändern müssen, Juni 2026 (Gartner-Erhebung unter 782 I&O-Verantwortlichen)

  5. t3n: KI-Projekte scheitern nicht an Daten – das wahre Problem, Mai 2026 (Cloudflight-Studie unter 150 deutschen C-Level-Führungskräften, Januar 2026)