Eine SAP S/4HANA-Migration scheitert selten an der Software. Sie scheitert an fehlender Struktur im Testmanagement.
Viele Unternehmen investieren enorme Energie in Planung, Customizing und Go-live-Vorbereitung. Aber beim Testen läuft es dann erstaunlich oft nach dem Prinzip Hoffnung: uneinheitliche Testfälle, manuelle Listen, fehlende Transparenz und eine starke Abhängigkeit von einzelnen erfahrenen Personen. Genau das ist gefährlich.
Wenn Testmanagement nicht systematisch aufgesetzt ist, wird aus einer Transformation schnell ein Risiko-Projekt.
WWZ, das Schweizer Energie-, Telekommunikations- und Wasserversorgungsunternehmen aus dem Kanton Zug, hat sich bewusst gegen diesen Blindflug entschieden. Gemeinsam mit Synaworks wurde im Rahmen der SAP S/4HANA-Transformation ein standardisiertes und toolgestütztes Testmanagement mit dem Ziel aufgebaut, die Migration strukturiert, transparent und mit minimalem Risiko umzusetzen. Der erfolgreiche Go-live des neuen SAP S/4HANA-Systems erfolgte im Januar 2021.
Ausgangssituation: Testen war möglich, aber nicht verlässlich steuerbar
WWZ setzte den SAP Solution Manager bereits als Testmanagement-Tool ein. Durch den Versionswechsel auf 7.2 mussten Einzelfunktionstestfälle zwischenzeitlich jedoch sogar in Excel gesammelt werden. Das war nur eines von mehreren Problemen. Die vorhandenen Testfälle unterschieden sich stark in Qualität, Beschreibungstiefe und Aktualität. Damit hing die Qualität der Testdurchführung stark von der Verfügbarkeit, Erfahrung und Gewissenhaftigkeit einzelner Tester ab.
Zusätzlich zeigte eine Verwendungsanalyse der regelmäßig genutzten Transaktionen im SAP ERP-System, dass viele der Top-100-Transaktionen durch die vorhandenen Excel-Testfälle gar nicht abgedeckt waren. Ein standardisiertes und qualitativ hochwertiges Testmanagement war unter diesen Bedingungen praktisch unmöglich.
Genau darin liegt ein typisches Muster vieler SAP-Transformationen:
Es gibt Testfälle. Es gibt engagierte Teams. Es gibt einzelne Tools.
Aber es gibt kein belastbares System, das Wiederverwendbarkeit, Transparenz und Steuerbarkeit wirklich sicherstellt.
Warum Testmanagement bei einer S/4HANA-Migration kein Nebenthema ist
In vielen Projekten wird Testmanagement immer noch wie ein operativer Pflichtblock behandelt. Hauptsache, es wird irgendwie getestet. Hauptsache, die Phasen laufen durch. Hauptsache, zum Go-live gibt es keine Katastrophe.
Das reicht nicht.
Gerade bei einer SAP S/4HANA-Migration geht es nicht nur darum, ob einzelne Funktionen technisch laufen. Es geht darum, ob Prozesse durchgängig funktionieren, ob Schnittstellen sauber greifen und ob End-to-End-Szenarien realistisch getestet wurden.
Bei WWZ war genau das der Anspruch: In insgesamt zehn Testphasen sollten erstmalig integrative Prozesse bis hin zu vollständigen End-to-End-Szenarien getestet werden. Ein ambitioniertes Vorhabe, aber genau die richtige Entscheidung.
Andreas Affeltranger, Testmanager aus der IT-Abteilung der WWZ AG, bringt die Ausgangslage sehr klar auf den Punkt:
Andreas Affeltranger

Zielbild vor Aktion: Erst Transparenz schaffen, dann sauber testen
Statt direkt in operative Testaktivitäten zu springen, wurde zunächst die Business-Prozessstruktur der WWZ AG transparent gemacht. Und genau hier zeigt sich der Synaworks-Ansatz: Zielbild vor Aktion.
Im ersten Schritt erfolgte bottom-up eine Verwendungsanalyse der genutzten SAP-ERP-Transaktionen aus den letzten zehn Monaten. Synaworks verknüpfte die zusammenhängenden Transaktionen zu Prozessen und entwickelte daraus Schritt für Schritt bereichsübergreifende Prozessszenarien. Auf diese Weise identifizierte und dokumentierte das Projektteam mehr als 250 Prozesse für 16 Fachbereiche in einer umfassenden Prozessstruktur.
Das ist mehr als Fleißarbeit.
Das ist die Voraussetzung dafür, dass Testmanagement überhaupt wirksam werden kann.
Denn erst wenn klar ist, welche Prozesse wirklich relevant sind, lassen sich Testfälle so aufbauen, dass sie nicht nur formal vorhanden, sondern auch fachlich belastbar und wiederverwendbar sind.
Von Excel-Listen zu einem standardisierten Testmanagement
Auf Basis dieser Prozessstruktur wurde ein umfassendes Testkonzept entwickelt. Darin wurden die grundlegenden Rahmenbedingungen des Testvorgehens festgelegt. Anschließend implementierte Synaworks die Test-Suite mit den funktionalen Erweiterungen von SAP Focused Build im SAP Solution Manager.
Parallel dazu arbeiteten WWZ und Synaworks daran, alle SAP-ERP-Schnittstellen den zugehörigen Prozessen zuzuordnen und durch eigene Testfälle abzudecken. Mittels halbautomatisierter Generierung von Testfällen auf Basis der Prozessstruktur entstand ein belastbarer Grundstock an essenziellen Testfällen. Diese mussten von den Teams nur noch angereichert und priorisiert werden . Ein entscheidender Schritt hin zu einem risikominimierten Testvorgehen.
Das ist der eigentliche Hebel:
Nicht mehr Testen um des Testens willen, sondern ein Vorgehen, das wiederverwendbar, transparent und systematisch ist.
Tool, Methode, Enablement: Warum die Umsetzung funktioniert hat
Ein starkes Testmanagement entsteht nicht allein durch ein Tool. Es entsteht, wenn Tool, Methode und Menschen sauber zusammenspielen.
Genau deshalb begleitete Synaworks WWZ nicht nur bei Konzept und Implementierung, sondern auch als Tool- und Methoden-Coach durch das Projekt. Von Beginn der ersten integrativen Testphase an wurden alle relevanten Personen in den verschiedenen Teams gemäß ihrer Rolle im Testprozess geschult. Während der späteren Testphasen wurden zudem End-to-End-Testszenarien aufgebaut, von cross-funktionalen Teams grafisch modelliert und im SAP Solution Manager dokumentiert.
Auch das ist ein wichtiger Punkt:
Enablement statt Abhängigkeit.
Nicht einfach ein Konzept abliefern und wieder verschwinden. Sondern Strukturen schaffen, mit denen das Team selbst tragfähig arbeiten kann.
Juan Janse, Projektleiter des SAP S/4HANA-Projekts bei WWZ, formuliert den Mehrwert so:
Juan Janse
Ergebnis: Hohe Testabdeckung, Echtzeit-Reporting und erfolgreicher Go-live
Das Ergebnis war nicht einfach „besseres Testen“.
Das Ergebnis war ein deutlich reduziertes Projektrisiko.
Durch die hohe Testabdeckung, ein Echtzeit-Reporting zur Steuerung der Testphasen und eine strukturierte Fehlernachverfolgung gelang WWZ im Januar 2021 der erfolgreiche Go-live des neuen SAP S/4HANA-Systems. Gleichzeitig entstand ein standardisierter Ansatz, mit dem die erarbeiteten Inhalte und Testfälle auch künftig in wiederverwendbarer und strukturierter Form zur Verfügung stehen.
Darüber hinaus eröffnete das Projekt weitere Perspektiven für ein ganzheitliches Application Lifecycle Management: Change Impact Analysen, SAP Testautomatisierung und eine stärkere Integration der ALM-Prozesse für Change- und Release Management wurden auf einmal realistisch anschlussfähig. Unternehmens-IT und Fachbereiche nutzen mit dem SAP Solution Manager nun eine gemeinsame zentrale ALM-Plattform.

Drei Learnings aus dem Projekt bei WWZ
1. Wiederverwendbarkeit ist kein Nice-to-have
Wenn Testfälle nicht wiederverwendbar sind, wird Testmanagement bei jeder neuen Phase wieder zur Improvisation. Genau deshalb ist eine belastbare Struktur die Basis für dauerhaft effizientes Testen.
2. Standardisierung schafft Verlässlichkeit
Usability, Transparenz und ein hoher Standardisierungsgrad sind keine Bürokratie. Sie sind die Voraussetzung für zuverlässige Testergebnisse und eine reibungslose Einführung.
3. End-to-End-Testen muss zur Normalität werden
Wer nur Einzelfunktionen prüft, testet an der Realität vorbei. Gerade bei S/4HANA-Migrationen entscheidet die Qualität integrativer End-to-End-Szenarien über das tatsächliche Projektrisiko.
Was andere SAP-Organisationen daraus lernen können
Wenn dein Testmanagement heute von Excel-Listen, Einzelwissen und manueller Abstimmung lebt, dann ist das kein kleiner Schönheitsfehler. Es ist ein strukturelles Risiko.
Viele SAP-Organisationen versuchen, mit großem Einsatz fehlende Teststrukturen zu kompensieren. Das funktioniert eine Weile — bis Komplexität, Zeitdruck und Abhängigkeiten zu groß werden.
Wer seine SAP-IT wirksam neu aufstellen will, braucht auch im Testmanagement:
klare Prozessstrukturen- wiederverwendbare Testfälle
- transparente Steuerung
- saubere Tool-Unterstützung
- und Teams, die befähigt sind, damit im Alltag zu arbeiten
Genau so wird aus Testen ein echter Steuerungshebel statt einer späten Pflichtübung.

Fazit: Erfolgreiche S/4HANA-Migrationen brauchen strukturiertes Testmanagement
Die WWZ-Story zeigt sehr klar:
Ein erfolgreicher Go-live ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis eines Testmanagements, das strukturell trägt.
Nicht Excel statt Plattform.
Nicht Einzelwissen statt Systematik.
Nicht Hoffnung statt Transparenz.
Sondern:
- Zielbild vor Aktion
- standardisierte Prozesse
- wiederverwendbare Testfälle
- integratives End-to-End-Testen
- und ein Vorgehen, das Risiken früh sichtbar macht
Systematisch statt aktionistisch gilt auch hier.
Denn wer seine SAP S/4HANA-Migration mit minimalem Risiko umsetzen will, braucht nicht einfach mehr Testaufwand, sondern ein Testmanagement, das wirksam aufgebaut ist.
Wie belastbar ist dein SAP-Testmanagement heute wirklich?
Wenn du merkst, dass dein Testmanagement stark von Einzelwissen, manuellen Listen oder fehlender Transparenz geprägt ist, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf den Reifegrad deiner SAP-IT.
Mit dem Synaworks IT Performance Index bekommst du eine systematische Einschätzung, wo deine Organisation heute steht und welche Hebel dir helfen, mehr Steuerbarkeit, Klarheit und Wirksamkeit aufzubauen.

